Parallelbiografien
Serbien – Deutschland

Birgit, Versicherungsangestellte, Berlin


Sandra: Wann und wie ist in Ihrem Leben die Entscheidung für Ihren gegenwärtigen Beruf gefallen? Haben Sie sich mit anderen Menschen beraten (Familie)?
Birgit: Ich wollte ursprünglich Verlagskauffrau werden. Da ich diesen Beruf aber nicht in Berlin erlernen konnte und ich mir nicht vorstellen konnte Familie und Freunde zu verlassen, habe ich auf die Familie gehört und mir einen „sicheren“ Beruf ausgesucht. Meine Großeltern väterlicherseits hatten auch bei der AOK gearbeitet. Meine Großmutter schlug mir deshalb vor, mich auch dort zu bewerben. Nun arbeite ich dort schon seit 39 Jahren in verschiedensten Bereichen des Unternehmens.

Sandra: Fühlen Sie sich in Ihrem Beruf geschätzt? Empfinden Sie Verantwortung gegenüber Ihrem Beruf? Belastet Sie diese Verantwortung manchmal?
Birgit: Ich hatte das große Glück immer Führungskräfte zu haben, die mich gefördert und mir Wertschätzung entgegen gebracht haben. Auch haben wir uns in den verschiedenen Teams immer gut ergänzt und verstanden. Was nicht heißt, dass es keine Konflikte gab. Diese haben sich durch offene Aussprachen und die gegenseitige Achtung aber immer schnell lösen lassen.

Ich bin in einem Elternhaus mit einem hohen Arbeitsethos aufgewachsen. Also ja, ich empfinde eine hohe Verantwortung für die jeweilige Arbeit/Aufgabe die ich übernehme. Das kann dazu führen, dass ich meine Belastungsgrenzen manchmal überschreite.

Sandra: Empfinden Sie Ihre Arbeit als wichtig für die Gesellschaft? Denken Sie darüber nach, welchen Status die Gesellschaft Ihrem Beruf zuordnet? Wie honoriert der Staat den Beruf?
Birgit: Grundsätzlich halte ich die Sozialversicherung/ gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung für etwas sehr Wertvolles für eine Gesellschaft.  Seit neun Jahren leite ich im Auftrag der AOK Nordost mehrere Beratungsstellen rund ums Thema Pflege (Pflegestützpunkte). Diese Tätigkeit gehört zu den erfülltesten, die ich in den 39 Jahren ausüben konnte. Wir können Menschen, die pflegebedürftig sind bzw. ihren Angehörigen, ganz konkret mit Rat und Tat zur Seite stehen. Meine Mitarbeiter*innen bekommen so viele positive Rückmeldungen,
Nein, ich denke nicht darüber nach, welchen Status die Gesellschaft uns zuordnet. Wichtig ist für mich, dass wir den Menschen, die zu uns kommen, so gut wie möglich helfen können.

Sandra: Wie wird Ihre Arbeit finanziell honoriert? Reicht Ihr Einkommen für das Leben? Halten Sie es für angemessen für Ihre Arbeit?
Birgit: Mein Einkommen ist angemessen und reicht für ein gutes Leben vollkommen aus.

Sandra: Denken Sie darüber nach, dass es etwas Besonderes ist, dass Sie Ihren Beruf als Frau/Mann ausüben?
Birgit: Nein, weil es für mich selbstverständlich ist bzw. für jeden selbstverständlich sein sollte, dass ich den Beruf ausüben kann, den ich gerne ausüben möchte und für den ich qualifiziert bin.

Sandra: Fühlen Sie sich manchmal unterfordert? Was könnte diese Situation verbessern?

Birgit: Es gab in der Vergangenheit auch Tätigkeiten bei denen ich mich unterfordert fühlte. Doch zum Glück hatte ich dann immer die Chance eine neue Aufgabe zu übernehmen.

Sandra: Ist Ihnen Ihre Arbeit manchmal zu viel? Macht die Arbeit Sie hin und wieder müde?
Birgit: Die Arbeitsverdichtung hat in den Jahren meiner Berufstätigkeit erheblich zugenommen. Und ja, es gibt Zeiten in denen ich überfordert und müde fühle. Auch die Führungsaufgaben verlangen einem viel ab, wenn man sie gut machen will.

Sandra: Fühlen Sie sich durch Ihre Arbeit erfüllt? Passt die Arbeit zu Ihrer Persönlichkeit?
Birgit: Ja, die Arbeit erfüllt mich und passt zu meiner Persönlichkeit. Ich übernehme gerne Verantwortung und liebe es mich wechselnden Anforderungen zu stellen und neue Dinge zu entwickeln bzw. Bestehendes weiterzuentwickeln. So kommt wenig Routine auf. Auch habe ich es mit den verschiedensten Menschen aus verschiedensten Institutionen, Berufen, verschiedenster Herkunft… zu tun. Etwas, dass ich als sehr bereichernd empfinde.

Sandra: Wie ist das Verhältnis von Arbeit und Freizeit in ihrem Leben? Definieren Sie sich über die Dinge, die Sie beruflich leisten oder über Aktivitäten in der Freizeit wie z. B. Sport oder Musik etc.? Sind Sie ehrenamtlich tätig?
Birgit: Manchmal wäre etwas mehr Freizeit schön. Aber es bleibt schon Zeit ein wenig Musik und Sport zu machen. Daneben unterstützen mein Mann und ich auch eine junge somalische Flüchtlingsfamilie. Worüber definiere ich mich? Über all das, also meine Arbeit, über die Musik, meine Freunde und die Beziehung zu der jungen Familie.

Sandra: Machen Sie noch andere Jobs/Nebenjobs? Beruht das auf finanzieller Notwendigkeit oder auf einem Wunsch nach Ausgleich?
Birgit: Nein

Sandra: Würden Sie Ihren jetzigen Beruf noch einmal ergreifen? Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie einen anderen Beruf haben?
Birgit: Grundsätzlich könnte ich mir gut vorstellen, meinen jetzigen Beruf nochmal zu ergreifen. Ich könnte mir heute, mit der jetzigen Lebenserfahrung, auch durchaus andere Berufe vorstellen.

Sandra: Bestimmt Ihre Arbeit bzw. Ihr Beruf Ihre Identität? Wie hoch würden Sie den Anteil Ihrer beruflichen Entwicklung an Ihrer Gesamtbiografie einschätzen? Wären Sie ein vollkommen anderer Mensch, wenn Sie eine andere Arbeit hätten?
Birgit: Ich glaube, dass jede Arbeit/jeder Beruf Einfluss auf die Gesamtbiografie hat. Wie hoch der Anteil ist, hängt, glaube ich, aber auch von der jeweiligen Persönlichkeit des Einzelnen ab. Und auch, was man aus seinem Beruf macht. Wenn es nicht so gut läuft, kann ich mich in mein Schicksal ergeben oder ich kann versuchen, das Beste daraus zu machen oder versuchen einen anderen Weg einzuschlagen.  

Ich denke nicht, dass ich ein vollkommen anderer Mensch wäre.

Sandra: Sind Sie in Ihrem Beruf glücklich?

Birgit: Die Frage ist, wie man Glück definiert. Ich habe eine feste Anstellung und muss keine Angst haben, dass ich morgen „auf der Straße sitze“. Ich habe die Möglichkeit, Dinge im gewissen Rahmen zu beeinflussen und kann manchmal auch kreativ sein. Ich habe die meiste Zeit mit netten Kollegen*innen zusammengearbeitet und konnte mich innerhalb des Unternehmens weiterentwickeln, die verschiedensten Tätigkeiten ausüben. Insgesamt bin ich zufrieden und das gehört zum Glücklich sein doch irgendwie dazu.

Sandra: Danke


Birgit, službenica u osiguravajućem društvu, Berlin


Sandra: Kada i kako ste se odlučili za sadašnje zanimanje?Da li ste se savetovali sa drugim ljudima (porodicom)?
Birgit: Najpre sam želela da postanem službenica u izdavaštvu.  Ali s obzirom na to da nisam mogla da se školujem za to u Berlinu, a nisam mogla da zamislim da napustim porodicu i prijatelje, poslušala sam porodicu i pronašla „sigurno“ zanimanje. Moji baka i deka sa očeve strane su takođe radili u zdravstvenom osiguranju AOK. Zato mi je baka predložila da se prijavim tu za posao. Sada tu radim već 39 godina, u različitim odeljenjima u preduzeću.

Sandra: Da li osećate da ste cenjeni u svom zanimanju? Da li osećate odgovornost prema svom zanimanju? Da li Vas ponekad ta odgovornost opterećuje?
Birgit: Imala sam sreću da imam rukovodioce koji su me podsticali i cenili moj rad. I u različitim timovima smo se svi dobro razumevali i dopunjavali. Što ne znači da nije bilo konflikata. Ali konflikti su se uvek brzo rešavali otvorenim razgovorima i međusobnim poštovanjem.  

Odrasla sam u porodici gde je veoma izražena radna etika.  Dakle da, osećam veliku odgovornost za svaki posao/zadatak koji preuzmem. Što može dovesti do toga da ponekad budem preopterećena.  

Sandra: Da li smatrate da je Vaš posao važan za društvo? Da li razmišljate o tome kakav status društvo daje Vašem zanimanju? Kako država plaća/ nagrađuje Vaš posao?
Birgit: U načelu smatram da je socijalno osiguranje / obavezno zdravstveno osiguranje i osiguranje za negu lica veoma vredno za društvo. Devet godina po nalogu osiguranja AOK Nordost vodim nekoliko savetovališta u vezi sa negom. Ovaj posao najviše ispunjava od svih poslova koje sam radila za 39 godina. Možemo konkretno da pomognemo savetima i aktivnostima ljudima kojima je potrebna nega ili njihovim porodicama. Moje saradnice i saradnici dobijaju toliko pozitivnih povratnih informacija...
Ne, ne razmišljam o tome koji status nam dodeljuje društvo. Važno mi je što bolje možemo da pomognemo ljudima koji nam se obrate za pomoć.
Sandra: Kako je Vaš rad plaćen? Da li je Vaša zarada dovoljna za život? Da li smatrate da Vaši prihodi odgovaraju poslu koji radite?
Birgit: Moji prihodi su prikladni i dovoljni su za dobar život.

Sandra: Da li mislite da ima nečeg posebnog u tome što se kao žena/ muškarac bavite baš ovim poslom?
Birgit: Ne, jer je meni sasvim normalno, odnosno, svakom bi trebalo da je normalno da može da radi posao koji voli da radi i za koji je kvalifikovan.

Sandra: Da li nekad osećate da Vam je postavljeno premalo zahteva? Šta bi moglo da promeni tu situaciju?

Birgit: Bilo je u prošlosti i aktivnosti zbog kojih sam se osećala kao da mi se postavljaju premali zahtevi. Ali, srećom, uvek sam imala mogućnost da preuzmem i neki nov zadatak.

Sandra: Da li Vam je nekad previše posla? Da li Vas posao nekad čini umornim?
Birgit: Količina posla se u poslednjim godinama moje karijere značajno povećala. I da, bude vremena kada sam preopterećena i osećam se umorno. Vodeći zadaci isto tako zahtevaju mnogo od čoveka, ako hoćete da ih dobro obavljate.

Sandra: Da li Vas posao ispunjava? Da li ovaj posao odgovara Vašoj ličnosti?
Birgit:
Da, posao me ispunjava i odgovara mojoj ličnosti. Volim da preuzmem odgovornost i da se suočavam sa različitim zahtevima, da razvijam nove stvari, odnosno, da dalje razvijam nešto što već postoji. Tako nema mnogo rutine. Isto tako dolazim u kontakt sa ljudima iz najrazličitijih institucija, zanimanja, sa ljudima različitog porekla. Smatram da to izuzetno obogaćuje čoveka.  

Sandra: Kakav je odnos između posla i slobodnog vremena u Vašem životu? Da li definišete sebe preko stvari koje radite na poslu ili preko aktivnosti kojima se bavite u slobodno vreme, npr. sport, muzika itd? Da li se bavite dobrotvornim radom?
Birgit: Ponekad bi bilo lepo da imam više slobodnog vremena. Ali ostaje mi vremena za malo muzike i sporta. Osim toga, moj suprug i ja podržavamo jednu izbegličku porodicu iz Somalije. Čime sebe definišem? Svime time, dakle, svojim poslom, muzikom, prijateljima i odnosom prema toj mladoj porodici.

Sandra: Da li radite još neke poslove? Da li je to iz finansijske potrebe ili zbog želje za ravnotežom?
Birgit:
Ne.

Sandra: Da li biste ponovo izabrali ovo zanimanje? Da li možete da zamislite da se bavite nekim drugim zanimanjem?
Birgit:
U suštini bih mogla da zamislim da ponovo izaberem ovaj posao. Ali sa sadašnjim životnim iskustvom mogla bih da zamislim i da se bavim drugim zanimanjima.

Sandra: Da li Vaš posao, odnosno Vaše zanimanje, određuje Vaš identitet? Da li Vaš posao odgovara Vašoj ličnosti? Kako biste ocenili svoj poslovni razvoj u životu? Da li biste bili potpuno druga osoba kada biste radili neki drugi posao?
Birgit: Verujem da svaki posao/ svako zanimanje ima uticaja na celokupan čovekov život. Koliki je to uticaj, mislim da zavisi i od ličnosti svakog pojedinca. I od toga šta napravite od svog posla. Ako stvari ne teku dobro, mogu se prepustiti sudbini ili mogu pokušati da napravim najbolje od toga ili pokušati da krenem nekim drugim putem.

Mislim da ne bih bila u potpunosti druga osoba.

Sandra: Da li ste srećni na svom poslu?
Birgit:
Pitanje je kako definišete sreću. Imam siguran posao i ne moram da se plašim da ću sutra ostati na ulici. Imam mogućnost da utičem na stvari u određenoj meri i nekad mogu da budem kreativna. Uglavnom radim sa prijatnim koleginicama i kolegama i mogla sam da se usavršavam u firmi, da radim različite poslove. Sve u svemu, zadovoljna sam i to je deo sreće. 

Sandra: Hvala